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Ich neige eigentlich nicht dazu, Bestseller-Bücher zu lesen. Der Geschmack der Masse ist nicht wirklich der meinige. Nachdem aber seit Jahren um Stieg Larsson ein großer Wirbel herrscht und sich jetzt sogar David Fincher als Regisseur der Hollywood-Verfilmung zur Verfügung gestellt hat, dachte ich mir, dass es ja keinem schadet, sich durch die 700 Seiten zu lesen.
Eine Inhaltszusammenfassung spare ich mir an dieser Stelle. Angesichts 15 Millionen verkaufter Bücher weltweit scheint das ja nicht mehr nötig zu sein, außerdem gibt’s für sowas ja auch Amazon und Co.
Da ich jetzt nur meine Gedanken zum Buch darlegen will, möchte ich das hier nicht Rezession nennen; diesem Anspruch kann der Eintrag nicht genügen.

  • Larsson ist eigentlich Journalist. Das merkt man. Auf Romanlänge funktioniert das Handwerk nicht, da gibt’s nur sehr wenig Ausnahmen (Forsyth).
  • Über die Sprache zu urteilen ist schwierig, da ich ja nur die deutsche Übersetzung gelesen habe. Des Schwedischen bin ich nicht mächtig. Aber entweder er schreibt im Original auch so oder die Übersetzung ist eine Frechheit. Jedenfalls ist es stilistisch wohl nicht sehr weit über der Twilight-Saga anzusetzen. Einfache Sprache, wenig bis keine Bilder – öde.
  • Die für einen Thriller eigentlich unbedingt notwendige Spannung fehlt. Die Entwicklungen sind äußerst vorhersehbar. Wer schon einmal einen Krimi gelesen oder einen Film gesehen hat, kennt die Zutaten: falsche Verdächtige, zwielichte Gestalten und der brave Biedermann, der eigentlich böse ist. Sehr öde. Zudem tauchen viele unlogische Details auf, innerhalb von zwei Seiten widersprechen sich Beschreibung und Handlung.
  • Schließlich wird Larrson von allen als großer Gesellschaftskritiker dargestellt. Seine Veröffentlichungen vor der Millenium-Triologie bestätigen dies auch. Es ist vielleicht anmaßend aus dem Jahre 2010, nach der Wirtschaftskrise, auch diese Kritik als nicht sehr ausgereift und wenig innovativ zu bezeichnen. Aber wer sich von dieser Wirtschafts- und Gesellschaftskritik begeistern lässt, solle mal H.M. Enzensbergers Essays zwischen 1970 und 1995 lesen. D A S ist innovativ und aus heutiger Sicht erschreckend aktuell.
  • Die oft zitierten ethischen und moralischen Vorstellungen sind nur oberflächlich vorhanden. Denkt man hingegen zwei Sekungen länger über die vorgestellten Dilemmata nach, wird man feststellen, dass Larsson nicht unbedingt den “besseren” Weg wählt.

So viel von mir dazu. Lasst euch aber die Lektüre des Buches deswegen nicht vermiesen. Außerdem muss ich auch zugeben, dass ich sehr gespannt bin auf Finchers Verfilmung. Prinzipiell passt die Story zu seinen Meisterwerken, vielleicht gibt’s ja bald ein neues Se7en.

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