Europawahl

Veröffentlicht in Politik am 13. Juni 2009 von paschendale

Nach der grandiosen Wahlbeteiligung in Deutschland von 42% ist die offizielle Marschrute der Politiker, sich darüber zu wundern. Aber wieso? Es gibt ausreichend Gründe, weder als Wähler an der Europawahl teilzunehmen, noch als Politiker, sich für diese stark zu machen. Von den Kandidaten einmal abgesehen, denn die verdienen nicht schlecht in Brüssel/Straßburg.

Welche Kompetenzen hat denn das Europäische Parlament? Grob zusammengefasst sind das: Veto bei Gesetzen, Abstimmung über den Haushalt und die Möglichkeit, die EU-Kommission in ihrer Gesamtheit abzusetzen. Von letzterem wird wohl nie Gebrauch gemacht werden. Zum einen weil die Mehrheiten für diesen Vorgang niemals erreicht werden können und zum anderen: wozu?
Das Veto bei den Gesetzen ist schön und gut, wichtiger aber wäre auch die Möglichkeit der Gesetzesinitiative, eigentlich eines der wichtigsten Kompetenzen eines Parlaments.
Zu guter letzt DAS politische Druckmittel der Legislative auf die Exekutive, der Haushalt. Aber das Parlament darf in Europa nicht über die Agrarausgaben verfügen, die machen aber blöderweise knapp 45 Prozent aus. Somit hat das Europäische Parlament weniger Kompetenzen als das preußische Parlament von 1855. Glückwunsch!

Die Landes- und Bundespolitiker selbst tragen ihren Teil dazu bei, dass die europäische Legislative schwach bleibt. Kein Politiker möchte neben der Landespolitik noch eine zweite, starke Legislative haben. Das bedeutet automatisch Kompetenzen und somit auch Öffentlichkeit bzw. Beliebheit abzugeben. Dementsprechend war auch die finanzielle und personelle Unterstützung für den Wahlkampf.

Alle die jemals auf eine starke Europäische Union hoffen und sich die United States of Europe wünschen sei gesagt, dass es niemals über den jetzigen Stand der low politics hinausgehen wird. In Wirtschafts-, Rechts- und Sicherheitsfragen zusammenzuarbeiten macht Sinn. Aber sich auf eine gemeinsame Außenpolitik zu einigen? Unwahrscheinlich. Die EU ist und bleibt die EWG, zu mehr wird sie sich nicht entwickeln.

Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers

Veröffentlicht in Musik am 19. Mai 2009 von paschendale

Selbstportrait?

Selbstportrait?

Die Manics haben sich nach ihrem 2007er Album wieder zurückgemeldet. Ohne große Vorankündigung stand auf einmal Journal For Plague Lovers im Regal. Das Besondere: Sämtliche Lyrics stammen noch vom 1995 verschwundenen Gitarristen Richey James Edwards. Seit er keine Texte mehr beisteuert waren die Veröffentlichungen der Waliser melodiös betrachtet durchaus interessant, reichten textlich aber nie an die “alten” Werke heran.
Beim Hören des neuen Albums fällt sofort auf, dass es in direkter Tradition zum letzten Manics-Album mit Edwards steht: The Holy Bible. Der dreckige Sound, teilweise verzerrte Stimmen und bei manchen Songs Filmausschnitte oder ähnliches als Einführungssequenz.
Die Deluxe-Edition kommt edel daher. Auf CD 2 befinden sich zwar lediglich die Demos zum Album, dafür ist das Booklet liebevoll gestaltet. Das Format ist das eines klassischen Journals, darin sind die Original-Texte von Edwards abgebildet. Beim Hören lässt sich dann feststellen, dass sich die restlichen drei nicht immer an die Vorgabe halten und teilweise nur Chorus oder Bridge übernommen haben. Neben den Texten finden sich noch Zeichnungen von Edwards. Alles in allem bietet es einen interessanten Einblick in die Seele des vermutlich Toten.

Textlich kommt das Album sehr sperrig daher. Das verraten schon die Namen der Songs wie Jackie Collins Existential Question Time, Virginia State Epileptic Colony oder She Bathed Herself in a Bath of Bleech. Der Opener Peeled Apples klingt als wäre The Holy Bible ein Jahr alt und Journal For Plague Lovers der Nachfolger. Abgehackte Strophe trifft Mitsing-Chorus, sofern einem der Text nicht zu schwer ist:

Riderless horses on Chomsky’s Camelot
Bruises on my hands from digging my nails out
A series of images against you and me
Trespass your torment if you are what you wanna be

Danach folgt mit dem schon eben genannten Jackie Collins Existential Time der erste Höhepunkt des Albums. Eine melodiöse Harmonics-Figur nimmt den Chorus vorweg, dann stellt die Lead-Gitarre ihre Riff vor und James Dean Bradfield darf sich den wichtigen Fragen des Lebens widmen (Tonight we beg the question if a married man fucks a catholic and his wife dies without knowing does that make him unfaithful?Mummy, what’s a sex pistol?). Song drei – Me and Stephen Hawking – schlägt musikalisch wie textlich in die selbe Kerbe.
Dann gibts auch schon die erste Ballade. This Joke Sport, Severed kommt mit allen klassischen post-Edwards Merkmalen der Manics daher. Streicher, große Melodien und ein millionenfach wiederholter Chorus. Aber es ist gut. Der Titelsong nimmt wieder etwas mehr Tempo auf, kotzt sich aus und bleibt im Ohr. Danach ist bei She Bathed Herself… der Einfluss von Nirvana nicht von der Hand zu weisen.
Facing Page: Top Left nimmt das Tempo wieder raus, spielt mit Harfe und zeigt wie verzweifelt Edwards wohl gewesen ist. Mit Marlon J.D. kommen auf einmal Elektro-Drums ins Spiel. Sie klingen leicht deplaziert und ist insgesamt wohl auch der schwächste Song des Albums. Doors Closing Slowly zählt wieder zu den besseren Balladen der Manics.
Nun sind wir bei Höhepunkt Nummer zwei angelangt: All Is Vanity. Nette Drums paaren sich mit Gitarren-Arpeggien und nem Schuss Wut im Chorus. Pretension/Repulsion spielt wieder mit den leicht kryptischen Lyrics (Shards, chards, the androgyny fail. Odalisque, by ingres, extra bones for sale). Virgina State Epileptic Colony gehört nicht zu den starken Songs der Manics, bleibt ohne Stimmung.
Damit sind wir auch beim letzten Song und absoluten Highlight des Albums angelangt: William’s Last Words. Nicky Wire singt, das kann er wzar eigentlich nicht, führt aber zu einer der rührendsten Balladen der letzten Jahre.

Alles in allem ist Journal For Plague Lovers ein gelungenes Album und ein würdiges Tribut an den verschollenen Gitarristen und Texter Richey Edwards. Allerdings darf man im Jahr 2009 nach dem Wert eines solchen Albums für die aktuelle Musikszene fragen. Natürlich ist es das Erbe eines großen Künstlers, es hat aber heute nichts mehr zu sagen. Für Fans ein muss, für alle anderen ein nettes, kleines (39 Minuten langes) Album.

FC Hollywood

Veröffentlicht in Sport am 29. April 2009 von paschendale

Endlich ist er weg, dieser Klinsmann, der Trainer den keiner mochte. Schon irgendwie seltsam, diese Bayern. Wer versteht den Verein? Sie haben Klinsmann geholt als den großer Retter, den Innovator. Er sollte das Bayernspiel offensiver, gefälliger und moderner machen, der FC Bayern wollte wieder an die Weltspitze, wo sie Anfang des Jahrtausends für fünf Minuten schon einmal standen. Als sie die Champions League gewannen, gegen…gegen wen gleich? Achja, diese Spanier da. Hat man auch nicht mehr viel gehört von Valencia seitdem. Seitdem gelang den Bayern nicht mehr viel in der CL, spätestens im Viertelfinale war Schluss. Also her mit Klinsmann, zurück an die Weltspitze.
Und er hat sein Bestes gegeben, hat versucht den Klub zu modernisieren, eine neue Spielweise einzuführen, die er nach wenigen Spielen wieder zurücknehmen musste. Er wollte, dass Bayern zwei taktische Systeme beherrscht. All das braucht Zeit. Die Dreierkette musste er nach wenigen Spielen wieder zu eienr Viererkette umbauen. Den Tempofußball durfte er nicht lange spielen lassen, Rummenigge gings zu schnell.

Aber kommen wir zur Kritik an ihm, was Hoeneß und Co dem Trainerstab vorwerfen.
Zu allererst ist die Abwehr nicht mehr so stabil wie “früher”. Mich würde interessieren, wann sie jemals stabil war. Letztes Jahr haben sie die wenigsten Gegentore in der Bundesliga kassiert. Wenn man sich aber die Gegner ansieht, wundert das niemand. Gings dagegen mal etwas schneller zu, wie es St. Petersburg im UEFA-Cup zelebrierte, sind sie geschwommen. Auch schon gegen Getafe, als Bayern noch Glück hatte in allerletzter Sekunde. Sattelfest was die Abwehr noch nie. Hinzu kommt der Verlust von Kahn. Klinsmann hatte die Vorgabe ihn durch Rensing zu ersetzen. Er hätte gerne einen anderen Torhüter gehabt, durfte er aber nicht, weil Hoeneß Rensing seit zwei Jahrzehnten versprochen hat, auch mal im Tor stehen zu dürfen. Hinzu kommt ein Martin Demichelis, der 5 Klassen unter seiner alten Form spielt. Oder anders gesagt, letztes Jahr ausnahmsweise mal gut war. Kann sich jemand in der Saison davor noch an die Schnitzer gegen Hannover und Co erinnern? Als er sich aufgeführt hat, weil er nicht da spielen darf wo er will, damit er mit zur WM darf? Betrachtet man das Debakel gegen Barcelona, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass dort Lell und Breno verteidigen mussten, weil die etatmäßigen Spieler verletzt waren. Lell gegen Messi, dass ist wie San Marino gegen Spanien. Ganz klar Klinsis Schuld.

Hinzu kommt ein unangebrachtes Anspruchsdenken seitens der Bayern-Bosse. Ein Jahr ohne Titel darf es nicht geben. Warum? Hatten auch schon Barca, ManU, Mailand oder Madrid. Chelsea hat trotz Milliarden an Zuschuss noch nicht viel erreicht. Manche Dinge brauchen eben auch Zeit, sie Wenger bei Arsenal, Scharf bei Bremen oder Fergusson bei ManU.

Streng genommen müssten bei Bayern Hoeneß und Rummenigge zurücktreten. Durch ihre jahrelange falsche Personalpolitik steht Bayern da, wo sie jetzt sind. Geschieht ihnen Recht. Aber dafür den Trainer rauszuwerfen ist naiv. Vielleicht stellt sich wieder kurzfristig der Erfolg ein. Meister im nächsten Jahr zum Beispiel. Und dann? Wie sieht die Abwehr aus? Das Mittelfeld? Ribery wird nicht zu halten sein, maximal bis in die nächste Saison. Toni und Klose sind alt. Olic nicht Weltklasse. Viel Spaß.

Neues aus Down Under

Veröffentlicht in Musik am 30. März 2009 von paschendale

Nach dem überraschenden Split von Wolfmother gibt es wieder Neues von Andrew Stockdale. Auf seiner Homepage kann man einen neuen Wolfmother-Song – wie es inzwischen fast schon üblich ist – herunterladen. Das Stück heißt Back Round und klingt wie…Wolfmother. Mit ein bißchen Jack White. Wenn ihr auf den Link klickt seht ihr auch ein Foto von Mr. Stockdale. Nix mehr Afro. Sieht fast aus wie der eben genannte Leader der White Stripes. Fast.

Placebo von Reznor angesteckt

Veröffentlicht in Musik am 23. März 2009 von paschendale

Am 8. Juni wird Placebos neues Album Battle For The Sun veröffentlicht. Auf ihrer Homepage kann man sich jetzt schon mal die Single kostenlos runterladen.

NIN|JA Tour Sampler

Veröffentlicht in Musik am 21. März 2009 von paschendale

Trent Reznor verschenkt mal wieder Songs. Als Abschied in eine etwas längere Pause touren Nine Inch Nails zusammen mit Jane’s Addiction und Tom Morellos neuer Band Street Sweeper (die sich verdächtig nach RATM anhört) durch die USA. Das Projekt nennt sich NIN|JA und auf der Homepage dazu kann man sich einen 6 Songs umfassenden Tour Sampler – wie immer – umsonst herunterladen. Jede Band hat zwei bis dato unveröffentlichte Songs dazu beigesteurt.

This One Is On Us

Veröffentlicht in Musik am 2. März 2009 von paschendale

Trent Reznor ist einmal wieder in geberlaune. Nachdem 2008 das letzte Nine Inch Nails Album The Slip umsonst im Web veröffentlicht wurde, gibts es jetzt die Live-DVD zur Tour Lights In The Sky umsonst.
Hintergrund ist, dass die Shows von Reznors Team gefilmt wurden, die Rechte aber noch bei seinem alten Label Universal liegen. Seltsamerweise sind 400 GB an HD-Filmdaten geleakt und wurden schnell über das BitTorrent-Netzwerk verbreitet. Natürlich hat Trent Reznor damit nichts zu tun. Allerdings hat er auf seiner Bandseite einen Kommentar dazu abgegeben, der darauf hinauslief, dass NIN-Fans mit der Fähigkeit Videos zu schneiden und bearbeiten sich der Sache doch mal annehmen sollten. Auf der Website thisoneisonus.org kann man sich jetzt das Endprodukt auf DVD bestellen.

Inhaltslos

Veröffentlicht in So Blabla am 20. Dezember 2008 von paschendale

Auf einmal hat man nichts mehr zu sagen. Nichts mehr mitzuteilen. Man sitzt auf einem Stuhl, liegt im Bett oder fährt gerade Auto – plötzlich fragt man sich: Was habe ich zu sagen? “Sagen” kann man immer viel. Nur welchen “Inhalt” möchte man vermitteln? Hat man überhaupt einen Inhalt zu vermitteln?
Wie kams soweit? Oder wie konnte man jemals ernsthaft glauben oder denken, es hätte eine Relevanz was mann mitteilt? Für was gibt es im StudiVZ die “Ich mache gerade…”-Box? Was will man dort sagen? Und an wen ist es adressiert? Wieso regt man sich zum einen über Datenschutz, Telekom und BKA auf, auf der anderen Seite ist man bewusst ein gläserner Mensch, der alles, wirklich alles zeigt. Fotos von der letzten Party, Hobbies, Jobs, Einstellungen und Beziehung. Aber wie schon einmal gefragt: Was hat man zu sagen? Und wen interessierts? Wen interessiert mein Geschwätz von gestern? Nicht einmal mich selbst…

Über die Gerechtigkeit

Veröffentlicht in Philosophie, Politik am 20. November 2008 von paschendale

Dank Finanzkrise wird wieder einmal über Managergehälter, Kapitalismus und – passend dazu natürlich Gerechtigkeit – diskutiert. Geradezu inflationär – ironischerweise – wird dabei dieses doch sehr abstrakte Wort bemüht. Was es aber ist, weiß auch keiner so richtig. Ich auch nicht. Deswegen drängt sich der Verdacht auf, dass Gerechtigkeit nicht existiert.
Wenn es um Gerechtigkeit geht wird gerne der Grundsatz “Alle Menschen sind gleich” zitiert. Deswegen darfst du auch nicht mehr verdienen als ich. Gut, schon. Aber so prinzipiell nicht. Um die Größe des Geldbeutels soll es aber erst einmal nicht gehen. Wie muss man sich das vorstellen – alle Menschen sind gleich? Ich würde mich dagegen wehren genauso zu sein wie mein Nachbar. Achso, abstrakter ist das alles gemeint? Ok, veranstalten wir ein 100 Meter Wettrennen: Kommen alle zeitgleich ins Ziel? Nein, denn der eine dopt, der andere nicht…Bei der Tour der France in den 90ern schien durchaus das komplette Teilnehmerfeld von irgendwas chemischem unterstützt zu werden. Also herrscht auch hier Chancengleichheit. Lässt sich also nur noch die genetische Disposition zur Verantwortung ziehen. Alle Menschen sind gleich? Scheint nicht immer der Fall zu sein. Zumindest was die körperlichen und geistigen Fähigkeiten angeht.
Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Nur blöd, dass die Anwälte, welche einen bei Gericht vertreten, der oberen Prämisse unterliegen. Außerdem soll es ab und an vorkommen, dass Gerichte in unterschiedlichen Instanzen bei dem selben Fall zu unterschiedlichen Urteilen kommen – liegt es jetzt daran, dass nicht alle vor dem Gesetz gleich sind – oder, dass es keine wahre Gerechtigkeit (oder zumindest immer nur eine Gerechtigkeit) gibt?
Wo man auch sucht, man wird niemals Gerechtigkeit finden. Es widerspricht der menschlichen Natur gerecht zu sein. Damit muss man sich arrangieren, seine persönlichen Schlüsse daraus ziehen. Man muss nur noch eine andere Instanz finden, die die Welt vor dem totalen moralischen Kollaps bewahrt. Viel Glück beim suchen!

Traumpaar

Veröffentlicht in This text may contain irony am 20. September 2008 von paschendale

Mit freundlicher Genehmigung von Fotostudio Lauterbach.

Traumpaar

Traumpaar